Statements von Dr. Erich Ritter an die Kritiker

„Hier werden unter falschen Voraussetzungen
Unterschriften von Bürgern gesammelt“

 
Aktuelle Statements von Haiverhaltensforscher Dr. Erich RitterIMG_2490
 
Herr Dr. Ritter, Sie sind Schirmherr vom Ozenarium SHARK CITY, das in Pfungstadt gebaut werden soll. Wie lässt sich das Konzept mit Ihren Aufgaben als Haiverhaltensforscher vereinbaren? 
Dr. Ritter: Vor mehr als 35 Jahren war ich für lange Zeit der einzige Haischützer im deutschsprachigen Raum, der sich für diese Tiere einsetzte. Schon damals war mir klar, dass wir Haie nur dann schützen können, wenn wir ihr öffentliches Bild positiv verändern können. Dies hat sich bis heute nicht geändert. Leider reichen sämtliche aktuellen Maßnahmen, immer noch nicht aus, um das breite Umdenken bewirken zu können. Klar gibt es Fernsehen, das Internet und all die anderen Informationswege, doch gerade weil die Möglichkeiten so zahlreich sind, ist es immer schwieriger, viele Menschen direkt zu erreichen.
Marketingmenschen würden sagen, es fehlt der Werbedruck. Aus dem Grund sind Tierparks und Aquarien heute wichtiger denn je. Sobald eine Person aktiv einen Schritt unternimmt, um Tiere live zu sehen, haben wir eine Chance. Kein anderes Vehikel kann pro Jahr mehr Kinder, Jugendliche und Familien erreichen. Und mit SHARK CITY und seinem Schwerpunkt auf die Welt der Haie können wir zudem durch gezielte Schulungen und ein didaktisches Aquariumskonzept auch eine Bewusstseinsänderung bei sehr vielen Menschen anstoßen. 
 
Was viele nicht verstehen: Wie kann man mit einem Ozenarium in Pfungstadt einen Hai beispielsweise auf den Bahamas schützen und was hat das mit Artenschutz zu tun? 

Dr. Ritter: Es geht nicht um die Haie der Bahamas, die sind ja bereits unter Schutz, sondern ums Überleben all derjenigen Haie, die sich nicht innerhalb eines Hoheitsgewässers befinden, wo sie vielleicht schon geschützt sind und deren allgemeines Überleben durch Gleichgültigkeit, Arroganz oder auch Ignoranz in Frage gestellt wird. Nur wenn erreicht werden kann, dass verstanden wird, dass das Überleben der Haie für das Überleben von uns Menschen notwendig ist, haben wir eine Chance. Pro Jahr werden zwischen 70 und 100 Millionen Haie getötet, das ist eine bekannte Tatsache. Diese Überfischung ist mittlerweile wohl die größte ökologische Zeitbombe, die bald hochgehen wird, wenn wir nicht gegensteuern. Da steht der Schutz aller Haiarten im Vordergrund. Artenschutz muss nicht nur vor Ort geschehen, sondern auch in den Köpfen der Menschen. 
 
Das auf Kosten der Haie in SHARK CITY? Und was hat das mit Artenschutz zu tun? 

Dr. Ritter: Für die Haie und Meerestiere in SHARK CITY werden die besten Technologien und ein Profiteam eingesetzt, damit diese Haie Botschafter für die Millionen Artgenossen in den Meeren sind. Seien wir ehrlich. Artenschutz wird von den Wenigsten wirklich aktiv betrieben. Wir haben zwar sehr viele selbsternannte Hai- und Artenschützer, die jedoch vielleicht außer einem Facebook-Post nie wirklich etwas zum Überleben dieser Tiere zu tun. Durch den geplanten Start von SHARK CITY tauchen gerade in den vergangenen Monaten mehr und mehr Leute auf, die sich Hai-, Tier- und Artenschützer nennen – doch da steckt meist nichts dahinter. Sie stellen sich gegen ein Aquarium und meinen damit, dass sie den Haien was Gutes tun. Eine absolut naive und vor allem falsche Denkweise. Artenschutz bedeutet, Tiere zu erhalten und deren Lebensraum zu schützen. Und das gelingt nur, indem Gesetze erlassen, verändert und angepasst werden. Und hier können all die selbsternannten Tier- und Haischützer ihre Stimme zu einem positiven Gelingen einsetzen und wirklich was bewirken: nämlich gemeinsam anstreben, dass es zu Gesetzen kommt, die die Haie schützen. Doch genau das geschieht nicht. Dies wirft die Frage auf, was Aktivisten tun können bzw. sollten: aufklären, wie es um Haie wirklich steht. Doch wie soll dies nachhaltig umgesetzt und wie können möglichst viele Menschen animiert werden, sich für diese Tiere einzusetzen? Indem Begegnungszentren kreiert werden, in denen nicht nur über die Tiere geredet wird, sondern diese auch gesehen und gespürt werden können. Und dort beginnt Artenschutz. Wir schützen nichts, wovor wir uns fürchten. Das gilt speziell für die Haie. 
 
Was bedeutet das konkret – zum Beispiel hinsichtlich der Eignung von Haien für Aquarien? 

Dr. Ritter: Nicht alle Haiarten eignen sich für Aquarien, genauso wie sich nicht alle landlebenden Tiere sich für Zoos eignen. Entsprechend gilt es, die richtigen Tiere auszusuchen. Dieses Thema ist leider ein Spielplatz vieler Aktivisten geworden. Sie schnappen etwas auf und versuchen, dies gegen einen möglichen Besatz in SHARK CITY auszuspielen. Hier spreche ich aus großer Erfahrung, denn es ist nicht das erste Mal, dass ich mit Aktivisten konfrontiert werde, die glauben, dass ihre Meinung zum Schutz der Haie dient. Damit will ich niemandem zu nahetreten, aber leider sind solche Meinungen nahezu immer sehr amateurhaft und verwässern nur das eigentliche Bestreben. Bei der Frage, welche Haiarten sich in Aquarien halten lassen, geht es um Erfahrung, langjährige Beobachtungen und – wohl am Wichtigsten – das Verständnis, was ein solches Tier braucht, um in einem begrenzten Raum leben zu können. Es ist mir auch klar, dass ein begrenzter Lebensraum nicht der Freiheit der Natur entspricht, doch müsste ich dann folgerichtig auch jede Person, die einen Hund oder eine Katze besitzt anprangern, weil sich das Tier meist ebenfalls nicht frei bewegen kann.
Alle von mir mit ausgesuchten Tiere sind für Aquarien geeignet, sonst würde ich an diesem Projekt nicht mitmachen. Das bedeutet, dass es bereits ausreichend Erfahrungen mit diesen Tieren gibt und ich als Haiverhaltensforscher nach 30 Jahren recht gut einschätzen kann, welches Tier passt.
Dagegen – um das mal an dieser Stelle deutlich zu sagen – haben die meisten der lautesten Kritiker maximal vielleicht Mal mit einem Hai getaucht oder sogar noch nie einen selbst erlebt. Worin besteht entsprechend ihre Erfahrung? Es ist vollkommen in Ordnung, die Idee von SHARK CITY zu hinterfragen, aber nicht in der Art und Weise, wie dies aktuell passiert: Mit oft völliger Ahnungslosigkeit kolportierten Behauptungen und oft auch Unwahrheiten – beispielsweise hinsichtlich Nachzuchten etc. wir hier vorgegangen und einfach behauptet, ohne dies auch belegen zu können. In einer idealen Welt bräuchte es keine Zoos oder Aquarien, da in diesem Fall jeder diese Tiere so oft wie er will sehen und erleben kann bzw. darf. Doch ist unsere Welt weit davon entfernt. Daher sind professionell geführte Großaquarien nach wie vor und wohl auch in langer Zukunft notwendig. 
 
Was genau ist denn so falsch an den Argumenten der Kritiker? 

Dr. Ritter: Die Kompetenz von Amateuren bezüglich der Eignung von Haien ist offensichtlich nicht vorhanden, ebenso das generelle Wissen und Erfahrung zu diesen Tieren. Aktivisten in allen Ehren, aber sie sollten ihre fachlichen Grenzen besser kennen. Leider ist es aber so, dass sie ihre Leidenschaft offensichtlich in eine falsche Richtung kanalisieren. Wenn man sich die Reaktionen auf Fakten anschaut, muss man die Erkenntnis gewinnen: diese interessieren keinen. Wie kann man sich für den Schutz von rund 150 Haien so engagieren, dabei aber völlig außer Acht lassen, dass 190 in einer Minute sterben? Die Art und Weise, wie hier mit modernem Populismus agiert wird, ist eine Schande. Ich sehe hier blutbeschmierte Stadtschilder, als ob hier Haie geschlachtet werden etc. Was machen denn die ganzen Kritiker, wenn SHARK CITY nicht gebaut würde? Wie viele der glühenden Haischützer von heute treten auch noch morgen für den Hai ein und erreichen Hunderttauschende Menschen? Ich habe bislang keine einzige Mail von einem der lokalen Haischützer bekommen, die zu mir fliegen und mich vor Ort unterstützen wollen sowie sich eben trauen, den Kopf hinzuhalten. Die Aktivisten, denen ich seit es um den Bau des Aquariums geht begegnet bin, sind – ich muss es so drastisch formulieren, weil es so im Sinne der Haie nicht weitergehen kann – lediglich Populisten. Sie schreiben sich Dinge auf die Fahne, die gut klingen und sie vordergründig gut dastehen lassen. Sie haben aber nichts wirklich etwas zu bieten und schon gar nichts, wenn es wirklich um den Schutz und Erhalt geht. 
 
Nun kann man Pfungstädter Bürgern, die sich um die Haie Gedanken machen, nicht die gleichen Beweggründe vorwerfen … 

Dr. Ritter: Sicher nicht, doch da werden unter falschen Voraussetzungen Unterschriften von Bürgern gesammelt, die sich natürlich gerne für den Tierschutz aussprechen. Aber sie werden bewusst mit falschen Tatsachen dazu verleitet. Die entsprechenden Bürger und Aktivisten glauben, sie würden etwas Gutes tun und erreichen genau das Gegenteil. Wir haben uns lange zurückgehalten, aber irgendwann ist auch mal genug: Es muss in aller Deutlichkeit gesagt werden, dass die Beweggründe von Sharkprojekt, und das sind offenbar diejenigen, die am lautesten schreien, genauso kritisch hinterfragt werden müssen, wie derzeit das Konzept SHARK CITY. 
 
Können Sie nicht verstehen, dass man sich Sorgen macht, dass die Haie Schaden nehmen und zum Teil ja auch als Wildfang aus den Meeren entnommen werden? 

Dr. Ritter: Natürlich sollte Wildfang so weit als möglich vermieden werden, und natürlich sind Becken nicht die Natur. Doch angesichts der großen Chancen, die das Thema Hai hat, indem eine in Europa bislang unerreichte Anzahl an Menschen in mehr oder weniger direkten Kontakt mit diesen Tieren kommen, wiegt diese Nachteile für einige dieser Tiere mehr als auf. „Haie gehören in den Ozean“, der Spruch der Kritiker, ist ein leider verharmlosender Slogan, der der Situation und der Wahrheit in den Meeren überhaupt nicht gerecht wird. Das muss im Sinne der Haie aufhören. Hier muss sich auch jeder dieser Haischützer an der eigenen Nase fassen. Ich wiederhole mich gerne: Wer von all denen kann behaupten, dass er sich jemals vor Ort für Haie eingesetzt hat? 
 
Warum haben Sie zusammen mit dem SHARK CITY-Management die sogenannte Besatzliste noch nicht vorgestellt? 

Dr. Ritter: Entgegen den Äußerungen, dass dies noch nicht geschehen sei, sind die Besatzlisten in Sinsheim längst bekannt gemacht worden. Darum geht es aber schlussendlich gar nicht, denn die meisten Kritiker sind nicht in der Lage, die einzelnen Arten für eine Haltung zu bewerten, da dies mehr verlangt, als vielleicht im Internet nachzuschauen, um welche Art es sich handelt. Entsprechend brauchen viele Kritiker die Besatzliste doch lediglich als irgendeinen Aufhänger, um wieder weiter zu diskutieren. Und wenn das Thema abgehakt ist, wird die Frage gestellt, was mit dem Salzwasser passiert, was passiert, wenn eine Atombombe auf SHARK CITY fällt oder was auch immer ihnen einfällt, um wieder ins Gespräch zu kommen und Angst zu verbreiten. Glauben Sie nicht? Das ist alles bereits geschehen.
Es ist höchste Zeit, die Dinge in die richtige Richtung zu kanalisieren. Jeder Haischützer ist uns willkommen. Und wenn er einen anderen Weg findet als SHARK CITY, der denselben Stellenwert erzielen kann, dann sehr gerne. Aber liebe Kritiker, hört endlich auf, Euch hinter dem Tierschutz zu verstecken und fangt an, Euch wirklich für Haie einzusetzen – gerne auch gemeinsam mit uns.