SHARK CITY SCHOOL

In Zusammenarbeit mit Dr. Erich Ritter, dem bekanntesten Hai-Verhaltensforscher der Welt, entsteht die SHARK CITY SCHOOL. Dr. Ritter ist mit seiner Sharkschool bereits weltweit bekannt und vermittelt das Wissen über die faszinierenden Tiere. Erwachsene und Kinder erfahren die wichtigsten Fakten über Haie, wie sie leben, jagen und wie diese aufregenden Meeresbewohner vor dem Aussterben gerettet werden können.

Darüber hinaus erstellen wir kostenfreie Schulunterlagen für alle Lehrer und Schüler in Deutschland und stehen für Fragen und einen Live-Vortrag in der Schule zur Verfügung.

Was steckt hinter dem didaktischen Konzept?
Es wird ein didaktisches Konzept zur Wissensvermittlung in SHARK CITY geben. Es ist das umfangreichste über Haie, das ein Aquarium bislang anbietet. Der Besucher geht mit einem umfassenden Wissenspaket zum Thema Hai nach Hause – und hat dabei dennoch eine unterhaltsame Zeit in SHARK CITY. Viele begleitende Maßnahmen transportieren die Informationen: Es wird Events, Vorträge, Filmvorführungen, interaktive Touchpoints, Mitmach-Kurse geben, einen Kidsclub, ein regelmäßig erscheinendes Haimagazin etc. Zudem klärt das SHARK CITY-Team in Ergänzung zu anderen Tierschutzorganisationen künftig auch in Kindergärten, Schulen und Bildungseinrichtungen auf, erstellt Unterlagen für Lehrkräfte, Tauchclubs und andere Interessensgruppen. Es ist geplant, dass das Team von Dr. Ritter und SHARK CITY die „SHARK CITY School“ ins Leben ruft, unter dessen Dach verschiedene Ausbildungen angeboten werden.

Speaker at business workshop and presentation. Audience at the conference room.

Interview mit Dr. Erich Ritter, dem bekanntesten Hai-Verhaltensforscher der Welt

Herr Dr. Ritter, seit über 400 Millionen Jahren leben Haie in den Ozeanen dieser Welt. Sie sind, wie das Wissensmagazin Scinexx.de schreibt, die T.Rex der Meere. Also an der Spitze der Nahrungskette unter Wasser. Viele Haie haben dennoch nicht überlebt. Wie sieht die Situation aktuell und in Zukunft aus?

Für viele Haipopulationen und auch Arten ist es leider bereits „5 nach 12“. Das bedeutet, auch wenn wir einen Schutz für die eine oder andere Art bewirken können, wird es nicht mehr ausreichen diese noch vor dem Aussterben zu schützen, da es zu wenig Tiere der betreffenden Art gibt, um deren Nachkommenschaft noch zu garantieren. Eine solche „Ausdünnung“ bewirkt aber auch, dass diese Tiere ihre Funktion in den marinen Nahrungsketten nicht mehr oder nur noch bedingt erfüllen können.

 

… also umso weniger Haie desto weniger Stabilität?

Korrekt. Haie sind die häufigsten Großraubtiere über 50 kg auf unserem Planeten und eine Dezimierung deren Häufigkeit wirkt sich zerstörerisch auf das marine Gleichgewicht aus.

 

Wie sehr hat der Film „Der weiße Hai“ dem Image der Haie, nicht nur des weißen, bis heute geschadet?

Der Film hatte einen katastrophalen Einfluss auf die Haie im Allgemeinen und die Weißen im Speziellen. Nichtsdestotrotz sollte man den Film nicht als den Grund für das schlechte Image dieser Tiere darstellen, da die damalige Gesinnung auch vor Erscheinen des Films bereits sehr schlecht war, was sich gerade bei den damaligen Haiforscher deutlich widerspiegelt. Der Film hat dieser Negativität lediglich einen Grund und Namen gegeben, sowie die Zerstörung weiter gefördert.

 

Ist die Berichterstattung über Haie ausgewogen – aus Ihrer Sicht?

Nein, sie ist es nicht. Eine neue Untersuchung zeigt, dass nach wie vor rund die Hälfte aller populären Berichterstattungen zu Haien diese Tiere im negativen Licht darstellen. Doch auch die eher ausgewogenen Berichterstattungen zeigen meist nicht, dass Haie keine echte Gefährlichkeit für Menschen darstellen.

 

Die Entwicklungen auf der Erde angefangen vom Klimawandel, Bevölkerungswachstum bis zum technologischen Fortschritt bei der Überfischung sind verantwortlich für diese Reaktion der Natur und der Tiere. Was muss und kann realistisch zum Fortbestand getan werden?

Es ist unumgänglich, dass die Weltmeere einer gemeinsamen Kontrolle unterliegen müssen, bedeutend, dass es keine Hoheitsgewässer mehr geben darf, damit eine Kontrolle durch ein internationales Gremium gesichert werden kann. Überschreitungen von Fischeiern müssen mit ultimativer Härte gehandelt werden. Momentan sind die Strafen vielerorts nicht wirklich abschreckend genug, damit Fischer es sich überlegen Haie zu befischen oder nicht.

 

Ist also ein intaktes Ökosystem unter diesen Bedingungen überhaupt erhalt- und umsetzbar?

Unter den momentanen Umständen ist es nahezu unmöglich,  ein intaktes Ökosystem zu erhalten.

 

Ein Schutz der Haiarten per se wird eher nicht ausreichen, richtig?

Korrekt. Obwohl Haien eine zentrale Rolle zukommt, braucht es auch andere Elemente der verschiedenen trophischen Stufen, damit eine Erhaltung eines Ökosystems möglich ist.

 

Warum ist immer noch so wenig über die gefährdeten Raubtiere bekannt?

Ein Grund, weshalb Haie nach wie vor fast unbekannt sind, liegt darin, dass es nur sehr wenige Forscher gibt, die sich mit diesen Tieren auseinandersetzen. Zwar wird sehr viel in Sachen Fischerei gemacht, oder auch Wanderungen (mittels Satelliten-Sendern), doch haben diese Bereiche wenig Substanz um das Tier als solches – sein Verhalten – zu verstehen, und das ist es schlussendlich was man über diese Tiere wissen will.

 

Laut einer Studie der University of Delaware an über 300 Sandtigerhaien sind Haie viel sozialer als gedacht. Die komplexe Sozialstruktur soll Meeressäugern wie den Delfinen und Walen ähneln. Was bedeutet das für die Positionierung dieses wunderbaren Tieres?

Es ist ein weiterer Beweis, dass diese Tiere hinsichtlich ihrer mentalen Komplexität falsch “gewichtet” wurden. Haie werden nach wie vor als primitiv abgetan. Nur weil etwas seit einer sehr langen Zeit existent ist, bedeutet dies nicht, dass es sich nicht höher entwickelt hat. In der Lage sozial zu sein, gilt als eine solche “Höherentwicklung”.

 

Es heißt, Haie haben vergleichsweise ein Netzwerk von rund 17 engen Freunden und bis zu 200 eng verbundene Artgenossen. Zudem variiere die Gruppenzusammensetzung bei den Haien auf ähnliche Weise wie bei Meeressäugern. Also ist der Hai, bis auf das frühe Frühjahr und den Spätwinter, wenn die Partnersuche ansteht und das Futter knapp wird, kein Einzelgänger?

Was man bei Sandtigern herausgefunden hat, ist nur die Spitze des Eisbergs. Es ist bereits bekannt, dass auch Weißspitzenhaie in der Lage sind, Individuen zu unterscheiden und sich zu denjenigen hinlegen, die sie kennen.

 

Haie legen riesige Entfernungen zurück und können sehr tief tauchen, auch weil sich das Herz in der Kälte verlangsamt. Wie fühlt sich ein Hai in einem wenn auch großen Wasserbecken?

Es gibt Haiarten, die sich nicht in Aquarien halten und sterben – das gilt auch für Großaquarien. Dann gibt es jedoch wiederum Arten, vorwiegend bodenlebende, denen eine Begrenzung kaum Probleme macht. Einsperren, auch wenn in großen Becken oder Gehegen, ist nie optimal, doch kann erreicht werden, dass die eine oder andere Art sich trotzdem anpassen kann und ihre Haltung vertretbar ist.

 

Wie ist gewährleistet, dass ein Hai möglichst art- und tiergerecht in einem Ozenarium untergebracht ist?

Im Ozenarium wird keine Art gehalten, deren Wohlbefinden aufgrund der limitierten Platzverhältnisse nicht ermöglicht werden kann. Es gibt weltweit genügend Aquarien, die Haie halten. Dort konnte gezeigt werden, welche Arten sich eignen und welche nicht.

 

Wie werden Sie sich in SHARK CITY einbringen?

Meine Gruppe wird für die Ausbildung der Besucher und den Informationsfluss hinsichtlich Biologie, Verhalten und anderer Haiaspekte zuständig sein. Wir sind seit vielen Jahren auf diesem Gebiet tätig und in der Lage, das verbale Bindeglied zwischen Besuchern und dem Aquarium darzustellen. Des Weiteren unterhalten wir auch eine sehr aktive Forschungsgruppe, die sich wissenschaftlich mit verschiedenen Aspekten der Hai-Mensch-Interaktion auseinandersetzt.

 

Was lernt man in Ihrer SharkSchool?

Die SharkSchool ist eine internationale Institution, die es sich zur Aufgabe gemacht hat der breiten Öffentlichkeit Haie praktisch und theoretisch näherzubringen. Bei uns wird nicht nur mit Haien interagiert, sondern man lernt auch deren Körpersprache in verschiedensten Situationen und Aktivitäten zu interagieren. SharkSchool hat dieses Konzept vor rund 25 Jahren ins Leben gerufen und die unterschiedlichsten Menschen- und Aktivitätsgruppen unterrichtet und ausgebildet.