„Haie sind für Menschen nicht gefährlich“

„Haie sind für Menschen nicht gefährlich“

IMG-20170920-WA0009_bearbDie Welt der Haie – Dr. Erich Ritter, renommierter Haiverhaltensforscher aus Florida, Autor und Schirmherr des in Pfungstadt geplanten Ozenariums SHARK CITY, hat mit spannenden Vorträgen die Faszination rund um die Top-Jäger geweckt / Begeisterte Schüler in der Grundschule Carlsberg und konzentrierte Bürger, Politiker und Medienvertreter im Saalbau Kino Pfungstadt / Crowdfunding-Spende für das Kino

 

Carlsberg/Pfungstadt, 19. September 2017. „Das ist Smiley“, sagte Dr. Ritter und deutete auf einen imposanten Tigerhai, der sich mit einem angedeuteten Dauergrinsen eindrucksvoll auf der Leinwand bewegte. Die Kinder der 2. und 3. Klasse der Grundschule Carlsberg waren von den Haien und Dr. Ritter nicht nur fasziniert, sondern auch neugierig und erstaunlich gut informiert. „Das ist ein Bullenhai“, erkannte ein cleverer Schüler sofort auf einem anderen Bild. In Dr. Ritters kindgerechtem Mitmach-Vortrag gab es einiges zu sehen und noch mehr zu lernen. Zum Beispiel, dass der Name des Zitronenhais von der Körperfarbe abgeleitet wird, es aber keinen Bananenhai gibt, woran man den Weißen Hai erkennt, wie er spielt, sich Haie kratzen lassen und wie freundlich die überwiegend scheuen Tiere mit Menschen umgehen … . Schulleiterin Angela Wilhelm nach dem für Schüler und Lehrerinnen spannenden Vortrag: „Sie müssen unbedingt wiederkommen!“

 
Zum Abendvortrag im Saalbau Kino Pfungstadt hatten einige Eltern erfreulicherweise ebenfalls Ihre Kinder mitgebracht. „Das ist die Zukunft und die Zielgruppe, die wir erreichen müssen, um künftig im Hinblick auf das falsche Image der Haie etwas nachhaltig ändern zu können“, so Dr. Ritter, der als versierter Speaker und leidenschaftlicher Haiforscher vor rund 100 Besuchern einen faktenreichen, spannenden Vortrag in entspannter Atmosphäre hielt. Sein Fazit: „Es gibt keine gefährlichen Haie, nur gefährliche Situationen.“ Und diese werden von Menschen verursacht. „Haiattacke“ sei zudem ein völlig falscher Begriff, da eine Attacke einen Vorsatz zu verletzen oder zu töten impliziere: „Menschen sind nicht auf der Speisekarte der intelligenten Top-Jäger und werden es auch nie sein.“ Weltweit rund 80 bis 90 Haiunfälle, die 2016 eine Handvoll tödliche Unfälle nach sich zogen, seien im Vergleich zu den aktuell schätzungsweise noch über rund 3 Milliarden Haien in den Weltmeeren zu vernachlässigen.

 
„Haie sind ein wichtiger Bestandteil unseres Ökosystems, das wir Menschen zum Leben brauchen. Daher gilt es vor allem von Deutschland und Europa aus die richtigen Signale zu setzen, die Kräfte für den Haischutz zu bündeln“, meinte der seit 35 Jahren engagierte Wissenschaftler und Schirmherr des Ozenariums SHARK CITY, das an diesem Abend bewusst nicht im Zentrum der Aufmerksamkeit stand. Die Geschäftsführer der The Seven Seas Aquarium GmbH & Co. KG hatten im Zuge der Crowdfunding-Aktion für das Saalbau Kino gespendet und den Abend ermöglicht. „Wir schützen nur das, was wir nicht fürchten“, fasste der in Florida lebende Schweiz-Amerikaner angesichts der vielen bedrohten Haiarten zusammen: „Es ist höchste Zeit für eine Stadt der Haie, also ein Hai-Zentrum, das ungeachtet aller ungerechtfertigten Bedenken mit spielerischen Mitteln und einem wissenschaftlichen Programm Lobbyarbeit betreibt, um den Haien in enger Zusammenarbeit mit anderen Haischützern, Wissenschaftlern und Aquarien eine Zukunft zu geben. Hier – und jetzt.“

 

 

Ihr Fazit zum Schulauftritt und zum Vortragsabend im Saalbau Kino Pfungstadt?
„Es war genial und schön, dass sich an einem Dienstagabend im wunderbar nostalgischen und gemütlichen Saalbau Kino so viele Bürger, der Bürgermeister, weitere Politiker, Kritiker und Unterstützer Zeit für unser Kernthema genommen haben: der Hai und sein wahres Wesen. Begeistert bin ich ebenfalls von dem Engagement der Lehrerinnen und Schulleitung der Grundschule Carlsberg und den jungen Schülerinnen und Schülern. So unkompliziert, offen und neugierig. Es wird nie langweilig, mit Kindern zu arbeiten und macht immer wieder Spaß.“

 

Und Smiley ist der heimliche Star der Kids?
„Smiley“ ist ein ganz cooler Hai, der seit vielen Jahren für große Begeisterung sorgt. Er ist mittlerweile sogar ziemlich berühmt in Teilen der USA. Vielleicht bringen wir seine Geschichte auch mit nach Deutschland.“

 

Wie sehen Sie die Entwicklung des Themas SHARK CITY in Pfungstadt aus der Distanz?
„Ich bin zwar gut informiert, habe allerdings heute den Eindruck gewonnen, dass sich die Menschen in Pfungstadt, die ich kennenlernen durfte, eine eigene, differenzierte, durchaus kritische, aber schlussendlich überwiegend positive Meinung über unser Projekt gebildet haben. Sie lassen sich von vielen leider nicht ganz richtigen Informationen nicht beirren. Ich freue mich sehr darüber.“

 

Sie sind auch ein erfolgreicher Autor. Wann kommt neuer Stoff?
Im Januar, so der Plan, kommt ein neues Buch mit vielen Geschichten nach dem Motto „Das Lächeln der Haie 2“. Es beinhaltet viele Aufsätze, wie ich die Welt der Haie und die Natur sehe – auf Tatsachenbasis, doch immer wieder mit einem Augenzwinkern geschrieben.

 

Wird es zudem neue Forschungsarbeiten geben?
Wir haben im Rahmen meiner Gruppe viele neue Erfahrungen und Daten für die Forschung gesammelt, die es in den kommenden Monaten auszuwerten gilt. Soviel sei verraten: Es ist ein Bereich, in den sich bislang noch keiner gewagt hat, wenn es um Haie geht.“